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Nachrichten Buntes und Unterhaltung [2. Update] Kachelmann: Wetterexperte ist frei - Aussage gegen Aussage
[2. Update] Kachelmann: Wetterexperte ist frei - Aussage gegen Aussage PDF Drucken E-Mail
Nachrichten - Buntes
Donnerstag, den 29. Juli 2010 um 12:32 Uhr

kachelmann_moderatorDer TV-Wetterexperte Jörg Kachelmann kommt nach mehr als vier Monaten aus der Untersuchungshaft frei. Das Oberlandesgericht Karlsruhe hat am Donnerstag den Haftbefehl gegen den 52-jährigen Schweizer aufgehoben und seine "umgehende Freilassung" angeordnet.

kachelmann_wetterkarte_ardDer 3. Strafsenat des OLG entschied, dass im derzeitigen Stadium des Verfahrens kein dringender Tatverdacht mehr bestehe. Daher sei auch die Fluchtgefahr als Grund für die Untersuchungshaft nicht länger maßgeblich.

Kachelmann saß seit dem 20. März in Untersuchungshaft, weil er seine frühere Freundin vergewaltigt haben soll. Er hat die Vorwürfe von Anfang an zurückgewiesen. Da sein mutmaßliches Opfer die einzige Belastungszeugin sei, stehe Aussage gegen Aussage. Bei der Ex-Freundin des Schweizers könnten außerdem "Bestrafungs- und Falschbelastungsmotive" nicht ausgeschlossen werden, hieß es vom Gericht.

Die Frau habe bei der Anzeige und im Ermittlungsverfahren zur Vorgeschichte und den Umständen der Vergewaltigung zunächst unzutreffende Angaben gemacht. Aufgrund der Untersuchungen und Gutachten könne auch nicht ausgeschlossen werden, dass sie sich die Verletzungen selbst zugefügt habe.

kachelmann_moderator"Der Beschluss des Oberlandesgerichts Karlsruhe hat einem Justizskandal Grenzen gesetzt", sagte Kachelmanns Anwalt Reinhard Birkenstock. Er werde jetzt mit seinem Mandanten konzentriert die Hauptverhandlung vorbereiten, der sie zuversichtlich entgegensähen. "Ich bin nicht dazu da, Vorwürfe zu machen. Ich bin Strafverteidiger, mein Beruf ist es, ungerecht einsitzende Gefangene aus der Untersuchungshaft zu holen und das ist uns heute Gott sei Dank gelungen", sagte Birkenstock mehreren Nachrichtensendern.

 

Termin am 6. September zur Hauptverhandlung wackelt

Die Ermittler werfen Kachelmann vor, Anfang Februar seine langjährige Geliebte, die sich von ihm trennen wollte, in deren Wohnung in Schwetzingen vergewaltigt und mit einem Küchenmesser am Hals verletzt zu haben. Kachelmann war im März auf dem Rückweg von den Olympischen Spielen in Vancouver auf dem Frankfurter Flughafen verhaftet worden.

Die Staatsanwaltschaft hatte Mitte Mai Anklage wegen des Verdachts der Vergewaltigung in einem besonders schweren Fall und gefährlicher Körperverletzung erhoben. Die Hauptverhandlung soll am 6. September vor dem Mannheimer Landgericht beginnen. Bei einer Verurteilung drohen Kachelmann bis zu 15 Jahre Haft. Ob es zu diesem Zeitpunkt zu einem Prozess kommt, ist ungewiss: Der Grund: Sitzt ein Angeklagter in Untersuchungshaft, muss möglichst schnell verhandelt werden. Nach der Freilassung ist dies nicht mehr notwendig.

Die Aufhebung des Haftbefehls ist nach Ansicht eines Strafrechtlers ein "sehr deutliches Signal" zugunsten des Fernsehmoderators. "Das Oberlandesgericht sieht die höchste Verdachtsstufe nicht mehr, was auf die Unschuld oder zumindest die Nichterweisbarkeit der Vorwürfe gegen Kachelmann hindeutet", sagte der Berliner Strafrechtsanwalt Ulrich Wehner am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. Am Nachmittag verließ der 52-Jährige das Mannheimer Gefängnis. Im Blitzlichtgewitter vieler Fotografen und Kameraleute trat zusammen mit Birkenstock vor das Tor der Justizvollzugsanstalt.

Kachelmann äußerte nicht persönlich zu seiner Freilassung. Sein Anwalt sagte: "Die Unschuldsvermutung ist wieder auferstanden." Die Freilassung sei eine Genugtuung. Kachelmann bedanke sich bei allen, die ihn in den vergangenen Monaten unterstützt haben, sagte Birkenstock.

 

Jörg Kachelmann: "Das Wetter hat kein Gedächtnis"

Jörg Kachelmann wurde am 15. Juli 1958 in Lörrach geboren. Aufgewachsen ist er im schweizerischen Schaffhausen. Der Journalist und Meteorologe beschäftigte sich nach eigenen Angaben von Jugend an mit der Wetterkunde und studierte unter anderem Physik und Geografie. Einen Abschluss machte er dabei nicht. 1990 gründete er den Wetterdienst Meteomedia mit Sitz in Gais südöstlich von St. Gallen und in Bochum.

Mit rund 100 Mitarbeitern betreibt Meteomedia Niederlassungen in Deutschland, der Schweiz, Kanada und den USA. Im Jahr 2002 übernahm Kachelmann in der ARD die Sendung "Das Wetter im Ersten" vor der "Tagesschau" und nach den "Tagesthemen". Außerdem moderierte er bis Februar 2009 mit einigen Unterbrechungen die MDR-Sendung "River-Boat". Die Neuauflage von Joachim Kulenkampffs TV-Quiz "Einer wird gewinnen" wurde 1998 nach drei Folgen eingestellt. Kachelmanns Credo lautet: "Das Wetter hat kein Gedächtnis."

 

Die Chronologie der Ereignisse

20. März: Der Moderator und schweizer Staatsbürger wird nach seiner Rückkehr aus Kanada am Frankfurter Flughafen festgenommen. Er gehörte zum Team der ARD bei den Olympischen Spielen in Vancouver.

22. März: Kachelmanns Anwalt weist die Vergewaltigungsvorwürfe als "frei erfunden" zurück. Der Moderator kündigt an, "wegen falscher Anschuldigung" Klage zu erheben. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft besteht jedoch dringender Tatverdacht.

23. März: Kachelmann beteuert seine Unschuld: "Er hat die ihm vorgeworfene Tat nicht begangen", teilen seine Kölner Anwälte auf ihrer Website mit.

24. März: Bei einem Haftprüfungstermin in Mannheim bestreitet der TV- Wetterexperte die Vergewaltigung erneut. Der Haftrichter entscheidet jedoch, dass er vorerst in U-Haft bleiben muss.

27. März: Die Festnahme des Moderators war von langer Hand geplant, berichtet das Magazin "Der Spiegel". Eine "Soko Flughafen" habe die Aktion drei Wochen lang vorbereitet.

4./5. Mai: Kachelmanns Anwalt beantragt, den Haftbefehl aufzuheben. Eine Entscheidung darüber vertagt der Haftrichter jedoch. Zunächst müssten weitere Ermittlungsergebnisse vorliegen.

15. Mai: Die Ex-Freundin des Schweizers hat "zwei Punkte ihrer Aussage" laut "Spiegel" zurückgenommen. Den Vorwurf der Vergewaltigung hält sie aber aufrecht.

19. Mai: Die Mannheimer Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Kachelmann wegen des Verdachts der Vergewaltigung in einem besonders schweren Fall und gefährlicher Körperverletzung.

5. Juni: Der "Spiegel" berichtet von einer möglichen Wende des Falls. Ein Gutachten nähre Zweifel an der Aussage von Kachelmanns Ex- Freundin. Es gebe keinen Anlass, den Fall neu zu bewerten, teilt dagegen die Staatsanwaltschaft mit. Die Aussage sei glaubhaft.

1. Juli: Das Landgericht Mannheim will den Haftbefehl nicht aufheben. Der 51-Jährige sei weiter dringend tatverdächtig. Kachelmanns Anwalt hatte Haftbeschwerde eingelegt.

7. Juli: Die Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe teilt mit, dass sie beantragt hat, Kachelmanns Haftbeschwerde als unbegründet zu verwerfen.

9. Juli: Das Landgericht Mannheim eröffnet das Hauptverfahren gegen den 51-Jährigen. Es lässt die Anklage der Staatsanwaltschaft in vollem Umfang zu. Kachelmann soll sich vom 6. September an vor Gericht verantworten.

15. Juli: Kachelmann verbringt seinen Geburtstag hinter Gittern.

17. Juli: Im Gefängnis will Kachelmann die Generalversammlung einer seiner Firmen abhalten, berichtet das Nachrichtenmagazin "Focus". Die Justizvollzugsanstalt und das Landgericht Mannheim genehmigten die Sitzung der Aktionäre hinter Gittern.

19. Juli: Das Aktionärstreffen wird kurzfristig abgesagt.

29. Juli: Das Oberlandesgericht Karlsruhe hebt den Haftbefehl gegen Jörg Kachelmann auf. Es bestehe kein dringender Tatverdacht mehr, der für die Untersuchungshaft erforderlich sei.

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 01. September 2010 um 20:26 Uhr