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Nachrichten Wirtschaft und Börse Prognose: Pay-TV und Privatsender wachsen - ARD/ZDF sollen sparen
Prognose: Pay-TV und Privatsender wachsen - ARD/ZDF sollen sparen PDF Drucken E-Mail
Nachrichten - Wirtschaft
Donnerstag, den 22. Juli 2010 um 09:28 Uhr

privatsender_flattvDer Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT), der in Deutschland Interessen privater Fernseh-, Radio- und Internet-Anbieter vertritt, geht von einer Erholung der Werbe-, Pay-TV- und Teleshoppingumsätze aus.

Einer am Donnerstag veröffentlichten Prognose zufole, die sich auf eine Umfrage der Mitglieder stützt, erwartet die Organisation ein Wachstum von etwa vier Prozent in der TV-Werbung. Der Netto-Werbeumsätze im privaten Fernsehen lag im vergangenen Jahr bei 3,39 Milliarden Euro, 2010 werden 3,52 Milliarden Euro privatsender_flattverwartet. Bei der Radiowerbung soll ein Plus von 2,3 Prozent am Ende 506 Millionen Euro in den Kassen der privaten Hörfukveranstalter klingeln lassen.

Auch dem Anbieter Sky macht der VPRT Hoffnung: 5,4 Prozent könnte das Segment zulegen, der Teleshoppingbereich um die Branchenriesen QVC und HSE24 sogar um zehn Prozent. Der Gesamtmarkt Pay-TV in Deutschland betrug nach einer Erhebung der Arbeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten zuletzt 1,1 Milliarden Euro, der des Teleshoppings 1,5 Milliarden Euro.

VPRT-Präsident Jürgen Doetz warnte dennoch vor Euphorie: "Unsere Branche wird 2010 trotz der fortschreitenden Digitalisierung und wirtschaftlichen Erholung deutlich hinter ihren früheren Umsatzzahlen zurückbleiben. Auch wenn die konjunkturelle Krise überstanden scheint, bleiben die strukturellen Probleme im deutschen Medienmarkt bestehen", erklärte er. Als Grund allen Übels nannte er zum wiederholten Mal ARD und ZDF, denen er "einzigartige Wettbewerbsverzerrungen" aufgrund der Rundfunkentgelte bescheinigte. "Um die Innovationsfähigkeit privater Medienunternehmen auch in Zukunft zu erhalten, muss die Politik faire Wettbewerbsbedingungen schaffen und Wettbewerbsnachteile für die privaten Radio- und TV-Anbieter abbauen", forderte Doetz.

 

ARD und ZDF sollen Programme einstellen und sparen

Der Verband empfahl ARD und ZDF, Digitalkanäle und Radioprogramme einzustellen oder zusammenzulegen sowie die Ausgaben für Sportrechte und Spielfilme zu reduzieren. So ließen sich rund 600 Millionen Euro sparen. Hinzu ardzdf_logokämen 300 Millionen Euro Einsparmöglichkeiten bei Übertragungskosten zum Beispiel von Regionalprogrammen in landesfremden Sendegebieten sowie 145 Millionen Euro Kürzungen bei Personalkosten.

Doetz warf den Ministerpräsidenten der Länder Wortbruch in der Frage eines Werbeverbots in ARD und ZDF vor. Dies müsse im Interesse eines fairen Wettbewerbs mit den Privaten umgesetzt werden. VPRT-Vizepräsident und RTL-Medienpolitikchef Tobias Schmid bezeichnete den Drei-Stufen-Test für die Online-Angebote der öffentlich-rechtlichen Sender als "administratives Monster". "Das Ergebnis ist bemerkenswert sinnlos", sagte Schmid. "Ich halte es nicht für undenkbar, dass wir zu einer rechtlichen Überprüfung kommen." Allerdings gehe es nicht darum, das Online-Angebot von ARD und ZDF insgesamt infrage zu stellen, sondern um detaillierte Diskussionen über Einzelbeispiele.

 

Kopierschutz und DRM

Für den Pay-TV-Markt erwartet der VPRT perspektivisch positive Impulse. Neben der bisher schleppenden Digitalisierung bleibe das größte Hemmnis die übermäßige Anzahl der alternativen Programmangebote. Negativ wirke sich auch die gebündelte Einkaufsmacht von ARD und ZDF auf den internationalen Lizenzmärkten aus, beispielsweise im Wettbewerb um Sport- und Filmlizenzen.

Sorgen machten sich die privaten Anbieter auch bei Urheberrechtsverletzungen. Ohne eine Verbesserung des Urheber- und Leistungsschutzrechts befürchtet der VPRT einen "zunehmenden Kontrollverlust" über die Inhalte. Die vom VPRT prognostizierte Marktentwicklung ist an dieser Stelle abrufbar (PDF). Ein Einblick in die Sparforderungen in Richtung ARD und ZDF an dieser Stelle (PDF).